Blog · Erfahrungsbericht
Vom Lenker zum Lenker
Zwischen 2008 und 2011 habe ich mich als Rennradfahrer selbst über die Asphaltbänder des Mondsee Radmarathons gekämpft. 2026 stand ich wieder an der Startlinie – diesmal allerdings im Sattel meiner Maschine als Motorradbegleitung. Zwei völlig unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Event. Ein Erfahrungsbericht über Adrenalin, Verantwortung und den Rausch der Geschwindigkeit.
Die Perspektive im Peloton: Schweiß, Schnitt und Puls bei 180
Erinnerst du dich noch an das Gefühl, mitten im Feld zu stehen? Als Rennradfahrer nimmst du das Renngeschehen mit allen Sinnen wahr. Es wird nach StVO gefahren – doch wenn an den Abbiegungen Polizei und Feuerwehr stehen und den Verkehr regeln, fühlt man sich für einen Moment wie ein Profi bei der Tour de France.
Richtung St. Gilgen hatte ich damals Glück: Ich erwischte einen schnellen Zug und rauschte im Pulk hinab zum Wolfgangsee. Doch bei Tempo 60 mitten im Feld heißt es: Höchste Konzentration! Du kennst niemanden um dich herum. Eine einzige unkontrollierte Bewegung, ein falscher Schlenker – und das Desaster ist perfekt. Wenn du deinem Nachbarn ins Gesicht schaust, siehst du die absolute Anspannung. Ein Adrenalinkick pur.
2026: Im Einsatz als Motorradguide
2026 feierte ich mein Comeback – diesmal mit ein paar PS mehr unter dem Hintern. Als Motorradbegleitung trage ich eine ganz andere Verantwortung. Statt um Wattwerte geht es jetzt um Sicherheit, Umsicht und klare Kante.
Schon kurz nach dem Start der ersten Gruppe auf der 140-km-Strecke zeigte sich, wie ernst die Lage sein kann: In der Abfahrt nach St. Gilgen – auf Höhe der Baustelle für den neuen Radweg – gab es einen Sturz. Sofort Warnblinker rein und auf die Gefahr hinweisen. Als ich am Unfallort vorbeifuhr, war der Rettungswagen mit Blaulicht bereits vor Ort, die Erstversorgung lief und das erste Begleitmotorrad der Spitzengruppe sicherte die Stelle ebenfalls ab.
Bereits vor Erreichen des Baustellenbereiches war klar erkennbar, dass dieser Bereich umsichtig als Gefahrenstelle zu passieren war. Die Streckenengstelle war mit umfangreicher Beschilderung, sauberer Verkehrsführung und Leitbaken ausgewiesen. Ich kannte den Streckenabschnitt von meinen Abendrunden gut, da er zu meinen Hausstrecken gehört. Gott sei Dank waren auf der Fahrbahn keine Sturzteile, kein Schotter oder größere Verschmutzungen zu erkennen. Die Situation erforderte erhöhte Aufmerksamkeit aller Teilnehmer. Das Feld drosselte das Tempo, passte sich der Situation an und passierte das Nadelöhr ohne weiteren Zwischenfall.
Kreisverkehr St. Gilgen – alle waren durch die Baustelle, unfallfrei! Weiter ging es mit Tempo 50 Richtung Strobl und Bad Ischl. Wenn man sieht, wie dynamisch das Feld dahinrauscht, kommen die Erinnerungen an die eigenen Trainingsfahrten hoch. Ganz ehrlich: Dieses Tempo macht einfach verdammt viel Spaß!
Jodeln im Tunnel und freie Bahn im Weißenbachtal
Als Guide hast du eine klare Mission: Regeln durchsetzen und aufpassen, dass niemand auf die Gegenfahrbahn gerät. Denn auch wenn die Helfer die Abzweigungen absichern, gilt weiterhin die StVO. Im Rausch der Geschwindigkeit, dem Sirren der Ketten und dem Pfeifen der Laufräder vergessen das manche Athleten nur zu schnell.
Ein absolutes Highlight: Nach dem Tunnel bei Bad Ischl hatte ich ein riesiges Feld von geschätzten 150 Fahrern hinter mir. Der Tunnel war am Morgen für den Autoverkehr gesperrt. Das Ergebnis? Echo, Jodeln, Jubelrufe! Die Mädels und Jungs haben es sichtlich genossen, den Tunnel komplett für sich zu haben.
Weiter ging es Richtung Weißenbachtal. Hier hieß es für mich: Gas geben! Ein Stück vorausfahren, um die Streckenposten dabei zu unterstützen, den Verkehr auf der Bundesstraße kurzzeitig zu stoppen. An der neuralgischen Linksabbiegung ins Weißenbachtal war die Gegenspur diesmal vorbildlich mit Hütchen entschärft. Auch die Motorradpolizisten leisteten erstklassige Arbeit und brachten enorme Ruhe und Sicherheit ins Feld.
Mit 80 km/h den Lichtenberg hinab
Über den Attersee und Unterach steuerten wir den Lichtenberg an. Um die teils tückische Abfahrt zu entschärfen, hatten die Organisatoren oben eine Section Control sowie eine Einbahnstraßenregelung eingerichtet. Durch die Verpflegungsstelle im Glastal und den knackigen Anstieg hatte sich das große Feld mittlerweile in kleine, dynamische Gruppen aufgeteilt.
Ich setzte mich hinter ein Rennrad-Paar in die Abfahrt. Während die zwei mit sportlichen 70 bis 80 km/h den Berg hinabrauschten, stellte ich mir schmunzelnd die Frage: Haben die zwei die Section Control überhaupt wahrgenommen und wissen sie, dass sie hier ein Mindest-Zeitfenster einhalten müssen?
Über Oberwang ging es schließlich flacher, aber nicht minder zügig zurück Richtung Mondsee und direkt hinein ins wohlverdiente Ziel.
Fazit
Egal ob auf zwei Rädern mit Muskelkraft oder mit Motor: Der Mondsee Radmarathon ist und bleibt ein Spektakel im Salzkammergut. Als Motorradguide hautnah am Geschehen zu sein, die Dynamik des Feldes zu steuern und für die Sicherheit der Sportler zu sorgen, war eine fantastische Erfahrung.
Ride safe & see you on the road!
Bilder & Logo mit freundlicher Genehmigung des Mondsee 5-Seen Radmarathon – einer der beliebtesten Radmarathons Europas, Start & Ziel direkt bei uns in Mondsee. Nächster Termin: 19.+20. Juni 2027.